Die dunkle Seite der Energiesparlampe | Lafu GmbH

Wie Experten gegen das Ende der Glühlampe kämpfen – Gefahr durch giftiges Quecksilber

Die Energiesparlampe ist gefährlich, warnt das Delmenhorster „Lafu“- Labor: „Wir fordern das sofortige Verbot.“

IM NORDWESTEN – An einem Winternachmittag kam es im bayerischen Dietramszell zu einem zunächst wenig beachteten Schadensfall: Im Haus von Familie Laus fiel eine handelsübliche Stehleuchte um; sie zerbrach scheppernd samt brennender Energiesparlampe. Mutter Stephanie Laus fegte schnell die Scherben zusammen, damit die Kinder weiterspielen konnten. Drei Wochen später gingen ihrem Sohn Max, vier Jahre alt, plötzlich die Haare aus. Zuerst verlor er sein Haupthaar, es blieb nach dem Schneemannbauen in seiner Kapuze kleben. Dann fielen ihm Augenbrauen und Wimpern aus. Max bekam Kopfschmerzen, sein Körper begann zu zittern.

Die Eltern fuhren mit Max von Arzt zu Arzt, erst der siebte oder achte wagte eine Diagnose: Das sieht ja aus wie eine Schwermetall-Vergiftung, sagte er. Hat Ihr Sohn etwas Toxisches eingeatmet?

Da fiel Familie Laus die kaputte Stehleuchte wieder ein.

Traurige Geschichten

Energiesparlampen enthalten Quecksilber, in der Broschüre „Setze Lichtzeichen!“ empfiehlt das Bundesumweltministerium für den Schadensfall: „Bruchstücke vorsichtig mit einem angefeuchteten Papiertuch aufnehmen, in eine Plastiktüte oder ein Einmachglas luftdicht verpacken und zur Schadstoffstelle bringen. Vermeiden Sie Hautkontakt und lüften Sie das Zimmer mindestens 20 bis 30 Minuten! Benutzen Sie nicht den Staubsauger!“

In Delmenhorst schüttelt Gary Zörner den Kopf: „Eine zerbrochene Umweltverschmutzerlampe ist kein Fall für Laien“, warnt er, „das sollte eine Fachfirma für Sanierung von vergifteten Räumen übernehmen!“ Er weigert sich, die Energiesparlampe Energiesparlampe zu nennen, er spricht nur von der „Umweltverschmutzerlampe“.

Zörner, 59 Jahre alt, ist ein freundlicher Mann, der viele traurige Geschichten kennt: zum Beispiel die von der Schule, an der sechs von 30 Lehrern an Leberkrebs erkrankten. „Normal wäre einer von 1000“, sagt er. Die Ursache für die Häufung fand Zörner in den Dichtungsfugen des Schulgebäudes: krebserregende Polychlorierte Biphenyle, kurz: PCB.

Denn das ist der Job von Gary Zörner: Mit seinem „Lafu – Labor für Chemische und Mikrobiologische Analytik“ spürt der Ingenieur Gifte auf.

„Bei uns rufen pro Jahr 1000 Leute an“, sagt er, „aber 900 von denen melden sich leider erst, wenn sie längst krank sind.“ Krank geworden durch Schimmelpilze, PCB, Elektrosmog. Oder durch Quecksilber, „das allergiftigste Schwermetall überhaupt“.

Gefährlicher Dampf

Quecksilber ist ein flüssiges Metall, das eine besondere Eigenschaft hat: Es verdampft extrem schnell. Das hat den Vorteil, dass man es zum Beispiel nutzen kann, umin einer Glasröhre ein fluoreszierendes Pulver zum Leuchten zu bringen. Der Nachteil ist, dass Quecksilberdampf über Haut oder Atemwege sekundenschnell in den menschlichen Organismus gelangen kann.

In Bayern berichtet Stephanie Laus, 35 Jahre alt: Die Stehleuchte stand neben dem Zimmer, wo ihr Sohn Max geschlafen hat. „Wir vermuten, dass er dort den Quecksilberdampf eingeatmet hat.“

Gary Zörner hat eine lange Liste zusammengestellt, was Quecksilber im menschlichen Körper alles anrichten kann: Es greift das Nervensystem an. Das Immunsystem. Die Fortpflanzungsorgane. Leber. Nieren. Lunge. Gehirn. „Mit jedem bisschen Quecksilber wird der Mensch ein bisschen dümmer“, warnt Zörner.

Die Europäische Union hat Richtlinien und Verordnungen erlassen, um die Gefahren durch Quecksilbervergiftungen einzudämmen. Das Quecksilberthermometer ist längst verboten, ebenso die quecksilberhaltige Batterie.

Aber die EU hat auch die Verordnung 244/2009 erlassen, sie regelt die umweltgerechte Gestaltung von Haushaltslampen. Glühbirnen erfüllen diese Anforderungen nicht, bis September 2012 müssen die letzten vom Markt verschwunden sein. Denn nur die quecksilberhaltigen Energiesparlampen erfüllen die neuen Anforderungen.

„Das ist der Witz des Jahrhunderts“, sagt Gary Zörner: „Die ungefährliche Glühbirne haben sie vom Markt genommen, um die megagiftige Umweltverschmutzerlampe einzuführen!“

5 Milligramm Quecksilber darf eine Energiesparlampe enthalten.

„Leider lässt sich bei Kompaktstofflampen nicht ganz auf Quecksilber verzichten“, heißt es in der Broschüre „Setze Lichtzeichen!“. Aber dafür schneide sie „bei wichtigen Umweltaspekten besser ab als eine Glühlampe“.

Lampen im Dauertest

In Wilhelmshaven baut sich ein Mann im Lampenlicht auf. Im Dachgeschoss des Prüfinstituts PZT stehen Energiesparlampen unter Dauerstrom, Wolfgang Herter, 60 Jahre alt, testet sie für Ratgeberzeitschriften.

Und das hier hat der Elektroingenieur herausgefunden über Energiesparlampen:

Sie gehen sehr viel schneller kaputt, als auf der Verpackung angegeben wird; „viele schaffen keine 5000 Stunden“.

Sie erzeugen weniger Helligkeit als Glühlampen; „sie geben 20 Prozent weniger Licht ab“.

Ihr Licht bietet nur drei Farben des Farbspektrums, Blau, Grün und Gelborange; „legen Sie bloß keine Tomaten darunter, dann vergeht Ihnen der Appetit“.

Sie geben kaum Wärme ab; „zu Hause muss man die Heizung weiter aufdrehen“.

Sie strahlen, der Elektrosmog einer Energiesparlampe lag bei PZT-Messungen 70-fach über den Grenzwerten für Computerbildschirme; „für Energiesparlampen gibt es leider keine Grenzwerte“.

Und dann ist da der Sondermüll: „Für jede blöde Getränkedose gibt es ein Rücknahmesystem“, sagt Herter, „aber von den quecksilberhaltigen Energiesparlampen landen 80 Prozent im Hausmüll.“

Jetzt schüttelt auch Herter den Kopf: „Die angeblich bessere Ökobilanz der Energiesparlampe ist eine Lüge!“

Und was soll Otto Normallampennutzer mit all diesen Informationen nun machen?

„Na, er sollte die Energiesparlampen in den Ladenregalen liegen lassen!“, ruft Christoph Mayr, 41 Jahre alt.

Gewinner und Verlierer

Der Wiener Filmregisseur sitzt im vollen Farbspektrum des Tageslichts auf der Terrasse eines Hamburger Hotels, in wenigen Stunden feiert sein Film „Bulb Fiction“ im Abaton- Kino Premiere – ein Film über Energiesparlampen.

Mayr lacht: „Ich habe auch zuerst gedacht: Ein Film über Lampen – gibt es etwas Langweiligeres?“

Aber dann ist er gereist: nach Brüssel, wo Vertreter der großen Lampenhersteller EU-Beamte berieten; nach Indien, wo die Lichtindustrie jährlich 56 Tonnen Quecksilber verarbeitet; nach England, wo Müllmänner mit Atemschutzmasken Leuchtstofflampen recyceln. Mayr besuchte Familie Laus in Bayern, er sprachmit Gary Zörner und mit Wolfgang Herter, und er kam zu dem Schluss: Da stimmt etwas nicht.

„Die Glühbirne ist das erste ungefährliche Produkt, das verboten wurde“, sagt er. „Warum?“, fragt Mayr und antwortet selbst: „Weil es da diesen historischenMoment gab, wo die Interessen verschiedener Gruppen zusammenpassten: Die Lichtindustrie konnte ihren Umsatz steigern, die Politiker konnten etwas gegen den Klimawandel tun, die Umweltorganisationen konnten einen Erfolg vermelden.“

Es gab leider einen Verlierer bei der Sache, sagt Mayr: den Verbraucher.

Aber jetzt habe der ja Dank der österreichischen Filmförderung Zugriff auf fundierte Informationen, „jetzt muss er nur noch den gesunden Menschenverstand einschalten und nachdenken“.

In Delmenhorst hat Gary Zörner bereits nachgedacht, er sagt: „Ich fordere das sofortige Verbot der Umweltverschmutzerlampe und dieWiedereinführung der Glühbirne.“ Er vermutet, dass sich in Deutschland längst Tausende mit Quecksilber vergiftet haben, ohne es zu wissen.

Max Laus, der Junge aus Bayern, ist mittlerweile sechs Jahre alt, er geht zur Schule. Er ist das einzige Kind dort mit Glatze. „Aber die Ausleitungstherapie zeigt Erfolge“, sagt Mutter Stephanie Laus: „Die Kopfschmerzen sind weg.“

Ihr Haus hat Familie Laus saniert, der komplette Fußboden wurde herausgerissen. „Mit zitternden Händen“, berichtet Stephanie Laus, habe sie die letzte Energiesparlampe aus der Fassung geschraubt und zur Schadstoffstelle gebracht.

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