Fieberhafte Suche nach dem Darmkeim | Lafu GmbH

Neue EHEC-Fälle in der Region aufgetreten / Gurken aus Spanien nicht Auslöser der Krankheitswelle

Die Suche nach dem EHEC-Erreger beginnt von vorne. Laborleiter Gary Zörner sieht einen Zusammenhang mit der Massentierhaltung.

Delmenhorst·Landkreis Oldenburg. Die vier mit EHEC-Bakterien belasteten Gurken aus Spanien, die als möglicher Auslöser der EHECErkrankungswelle gegolten hatten, sind nicht die Ursache der gefährlichen Durchfall- Erkrankungen. Wie die Hamburger Gesundheitsministerin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) der Presse gestern mitteilte, sei der auf den spanischen Gurken gefundene EHEC-Erreger nicht der Typ 0104, der die schweren EHEC-Erkrankungen mit blutigem Durchfall derzeit auslöse. Die Suche nach dem Auslöser gehe nun von vorne los.

Die neuen Darmkeim-Fälle in der Region, insbesondere der Fall des schwer erkrankten Mädchens in Ganderkesee, zeigen unterdessen: Die EHECErkrankungswelle ist nicht überstanden. Jürgen Ohlhoff, Leiter des Landkreis-Gesundheitsamtes, bleibt bei seiner Einschätzung vom Wochenanfang: „Es kann sein, dass die Spitze der Erkrankungen eventuell überwunden ist“, teilte er auf Nachfrage unserer Zeitung gestern mit. Bundesweit sinkt die Zahl der Neuerkrankungen zwar, doch laut dem Robert- Koch-Institut in Berlin ist die Infektionsquelle noch aktiv – und noch nicht gefunden.

Die Suche nach ihr wird fieberhaft betrieben, in Delmenhorst beteiligen sich weiterhin Mitarbeiter des Labors für chemische und mikrobiologische Untersuchungen (Lafu) an der Probennahme. Laborleiter Gary Zörner ist der Meinung: „Ohne die Zusammenhänge in der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie grundlegend zu erfassen, kann die Ursache der Infektionen schwer ermittelt werden.“ Da der Darmkeim insbesondere im Kot von Nutztieren vorkommt, scheint ihm plausibel: „Man muss den Ausgangspunkt für die EHEC-Infektionsketten in der Massentierhaltung und in den Agrarbereichen, wo Monokulturen großflächig einem Verseuchungs-Risiko ausgesetzt sind, suchen.“ Keime in der Gülle würden sich beim Ausbringen durch feine Aerosole in der Luft weiträumig verbreiten.

Professor Lothar Wieler, Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Tierseuchen an der Freien Universität Berlin, meint jedoch: „Unabhängig von der Haltungsform scheiden fast alle Rinder EHEC-Bakterien aus.“ Weidehaltung oder Stallhaltung mache in Bezug auf die EHEC-Belastung der Tiere keinen Unterschied. Er nennt zwei mögliche Szenarien, durch die es zu der EHEC-Infektionswelle gekommen sein könnte: „Entweder die betreffenden Lebensmittel sind massiv kontaminiert, tragen also besonders viele Keime in oder auf sich. Oder der Typ des Erregers macht besonders krank.“

Um Belastungen von Obst und Gemüse auszuschließen, würden die landwirtschaftlichen Betriebe Vorkehrungen treffen, die das Risiko minimieren, teilte das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium auf dk-Nachfrage mit. Der Behörde liegen keine Informationen darüber vor, ob das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die Gülle-Aerosole in der Luft als mögliche Infektionsquelle der EHEC-Erkrankungen berücksichtigt. Laborleiter Zörner meint: „Massentierhaltung führt zu Antibiotikaresistenzen, und dies zu immer schlimmeren Krankheitswellen.“

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