Gift-Cocktail in vielen Erdbeeren | Lafu GmbH

Nordwolle-Labor testet beliebte Früchte für TV-Sender / Überwiegend Mehrfachbelastungen

Die Erdbeersaison hat begonnen. Allerdings ist nicht alles gut, was prall und rot glänzt. Für einen Fernsehbericht hat RTL im Delmenhorster Labor für chemische und mikrobiologische Analytik (Lafu) Erdbeeren testen lassen.

Die Mitarbeiter des Labors auf der Nordwolle haben in den vergangenen Tagen insgesamt zehn Erdbeerproben auf Giftstoffe untersucht. Darunter waren sowohl deutsche und spanische Discounter- Erdbeeren als auch Früchte von Straßenständen, vom Wochenmarkt, vom Biohof und in Form eines Erdbeerkuchens. Das Ergebnis: „Bis auf die Bio-Erdbeeren waren alle anderen Sorten mit Pestiziden kontaminiert“, sagt Lafu- Chef Gary Zörner.

Dieses Ergebnis hat der Diplom-Ingenieur allerdings erwartet. „Es entspricht auch anderen repräsentativen Untersuchungen“, erklärt er. Dramatisch sei jedoch, dass abgesehen von den Bio-Erdbeeren alle anderen zwischen drei und sieben verschiedene Gifte und damit Mehrfachbelastungen gleichzeitig aufwiesen. „Dann nützt es nichts, wenn sämtliche Proben unter den gesetzlichen Rückstandshöchstgehalten liegen.“

Diese so genannten Chemikalien- Cocktails hätten zur Folge, dass sich die verschiedenen Gifte, die gleichzeitig zusammenkommen, nicht etwa verdoppeln. „Sie können insbesondere auch in Kombination mit Schwermetallen wie zum Beispiel Kupfer 100- oder 1.000-fach giftiger sein und haben einen ganz anderen Wirkmechanismus.“ Hinzu komme, dass sich die Mehrfachbelastungen auch mit Giften, beispielsweise Weichmachern aus Lebensmittelverpackungen kombinieren, erklärt Gary Zörner.

„Häufige Krankheitsbilder, die mit Pestiziden kontaminierten Obst und Gemüse zusammenhängen sind Allergien, Frucht- und Erbgutschädigungen, Alsheimer und Krebs sowie Hormonsystemveränderungen“, erklärt der Wissenschaftler. Er kritisiert, dass im Rahmen der staatlichen Risikobewertung keine Grenzwerte abgeleitet werden, welche die Kombinationswirkungen berücksichtigen. „Das ist eine enorme Verantwortungslosigkeit.“

Er rät Verbrauchern, sich zudem beim Einkaufen Gedanken über den Produktlebenszyklus von Lebensmitteln zu machen. „Durch den Einsatz von Pestiziden auf den Bananenplantagen in Costa Rica gelangen beispielsweise die Giftstoffe über die Bewässerungssysteme direkt ins Meer und haben dort bereits sämtliche Korallenriffe absterben lassen. Die Plantagen-Arbeiter werden vergiftet, der Boden verseucht.“ Wer nicht Bio kaufe, unterstütze die Zerstörung der Umwelt und Erkrankung des Menschen.

Während sich der Gesetzgeber hinter undefinierbaren Formulierungen wie „eine entsprechende Dosis könne ohne erkennbares Risiko aufgenommen werden“ verstecke, scheinen die Überschreitungen der Grenzwerte nach all den Lebensmittelskandalen sogar geringer geworden zu sein, erläutert Gary Zörner. „Mit der Vereinheitlichung der Grenzwerte innerhalb der EU wurden die erlaubten Höchstmengen jedoch überwiegend hochgesetzt.“ Das zeige deutlich, wie der Verbraucher betrogen werde. „Die Grenzwerte sind Interessenwerte, aber nicht zugunsten eines präventiven Gesundheitsschutzes.“

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