Keime zählen für RTL | Lafu GmbH

Delmenhorster Labor LAFU testete Lebensmittelproben

Sind belegte Brötchen und Salate, die in Bremen und Hamburg verkauft werden, bakterienverseucht? Wie schlecht ist deutsches Speiseeis? – Fragen, die RTL für die Magazinreihe „Extra“ vor kurzem beantwortet haben wollte. Und zwar von einem Delmenhorster Labor.

Staphylokokken, Fäkalkeime, Schimmelpilze: Die Ausbeute von Gary Zörner war enorm. Der Dipl.-Ingenieur für Lebensmitteltechnologie hatte die Erreger zuhauf in Nahrungsmitteln gefunden. Fünfzehn Eis- und drei Wasserproben hatte er untersucht, außerdem sechzehn Proben von belegten Brötchen und Salaten. „Staphylococcus aureus-Bakterien können schwere Lebensmittelvergiftungen und Entzündungen der inneren Organe hervorrufen“, sagt der 49jährige. Sie könnten gar zum Tod durch Kreislaufkollaps führen.

Für die Magazinreihe „Extra“ hatte ein Fernsehteam von RTL in Eiscafes und Bäckereien zwischen Cuxhaven und Travemünde, Hamburg und Bremen Proben gesammelt. Zörner hat sie in seinem Labor für chemische und mikrobiologische Analytik (LAFU ) in Delmenhorst nach den Richtlinien der EWG-Verordnung getestet. Neben Staphylokokken in fünf Eisproben hat er dreimal coliforme Bakterien (Fäkalkeime) gefunden. Diese verursachen Erbrechen, Durchfall, Fieber und können im Extremfall ebenfalls tödlich sein. Meistens werden die Hygienestandards nicht eingehalten: „Es genügt, wenn ein Kunde den Türgriff der Toilette berührt, sich nicht die Hände wäscht und anschließend dem Verkäufer das Geld in die Hand drückt. Dieser nimmt kurze Zeit später eine Eiswaffel in die Hand, und schon haben sich unzählige Bakterien gebildet“, so der Chemiker.

Zwei der drei Wasserproben lagen ebenfalls weit über der Toleranzgrenze. „Wasser ist besonders anfällig für Bakterien, vor allem, wenn wie in Eisdielen der Portionierer ständig hineingetaucht wird, ohne das Wasser mehrmals zu wechseln“. Ob sich Bakterien in diesem Eis befinden, merkt man beim Schlecken nicht Der Bakterientest bei belegten Brötchen und Salaten aus Bremen und Hamburg fiel ähnlich erschreckend aus. Von sechzehn Proben hatten vierzehn den Grenzwert überschritten. Genau wie im Eis fand er die Eitererreger Staphylokokken sowie Hefe- und Schimmelpilze. Auch Fäkalkeime stellte er fest. Als erschreckend bezeichnete es der LAFU-Chef, daß eine Bäckerei belegte Brötchen zum Verzehr in einer Glasvitrine angeboten hat, in der eine Temperatur von 28 Grad herrschte. „Normalerweise müssen diese Brötchen stark gekühlt werden, bei einer Temperatur von 28 Grad ist ein explosionsartiges Wachstum von Bakterien garantiert!“ Bei belegten Brötchen sollte der Käufer darauf achten, wo und bei welcher Temperatur sie gelagert werden Insgesamt war Gary Zörner von seinen Ergebnissen nicht überrascht. Er hofft, daß durch die Veröffentlichung der Testergebnisse die Verkäufer von Nahrungsmitteln und die potentiellen Käufer ihr Hygienebewußtsein ändern und sich dadurch die Krankheitsfälle mindern: Allein im Jahr 2001 wurden in Deutschland über 80.000 Fälle von Salmonellenvergiftungen bekannt. Die Dunkelziffer, so der Chemiker, sei noch höher. Nicht jeder, der unter Durchfall und Erbrechen leide, konsultiere sofort den Arzt. Man gehe lediglich von einer Magen- und Darmgrippe aus. Eine leichte Salmonellenvergiftung werde somit gar nicht wahrgenommen.

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