Lafu referiert über die Pirsch auf tödliche Wohngifte | Lafu GmbH

Michael Kossack (links) und Gary Zörner zeigen das Radon-Experiment. Foto: Niklas Golitschek

Delmenhorst. In Innenräumen lauern zahlreiche gesundheitsgefährdende Stoffe, sagt Lafu-Geschäftsführer Gary Zörner. Mit seinen Kollegen informiert er in der Volkshochschule Delmenhorst über Wohngifte und wie sich davor schützen lässt.

Radon bezeichnet Michael Kossack als „unsichtbare Gefahr“. Weder sei das Edelgas sicht- oder riechbar, noch lasse es sich schmecken. Dennoch ist es in vielen Innenräumen anzutreffen, wie der ehemalige Mitarbeiter vom Labor für Chemische und Mikrobiologische Analytik (Lafu) in Delmenhorst weiß.

Gemeinsam mit Tinola und Lafu-Geschäftsführer Gary Zörner sowie Renate Seyfert wird er bei einem Vortrag am Freitag, 31. Januar, von 18 bis 20.15 Uhr in den Räumen der Volkshochschule (VHS), Am Turbinenhaus 11, in Delmenhorst auf Radon und andere Wohngifte eingehen. 

Ein natürlicher Vorgang

Wie der sonst unsichtbare Alpha-Zerfall dieses Edelgases – ein natürlicher Vorgang, wie Kossack betont – aussieht, zeigt er anhand eines Experiments: In einem Schaukasten platziert er einen Stein, der Radon enthält. Oben ein in Alkohol getränktes Tuch, unten eine Platte mit Trockeneis und einer Temperatur von minus 80 Grad Celsius. Wenn die Alphateilchen nun den Alkoholdampf ionisieren, kommt es zur Wolkenbildung. Der Prozess wird sichtbar.

Problematisch wird es Kossack zufolge, wenn das Radon eingeatmet wird und in der Lunge zerfällt. Dann setzten sich dort Zerfallsprodukte wie Polonium, Wismut und Blei ab, die sich weiterzersetzen. Die Folge: „Das Lungenkrebsrisiko steigt.“ Häufig sei Radon in Bodenschichten und Kellergeschossen zu finden, da es schwerer als Luft sei. 

Geruch als Hinweis

Genau wie Radon gibt es noch zahlreiche andere Stoffe, die das Immunsystem schwächen und die Allergieempfindlichkeit erhöhen, sagt Gary Zörner. Viele Krankheitsherde ließen sich bereits am Geruch erkennen. Als Beispiele führt er Lösungsmittel wie Formaldehyd in Lacken und Farben oder schwerflüchtige Gifte wie Holzschutzmittel und Weichmacher an.

Noch kritischer werde es, wenn gewisse Stoffe zusammenwirken. Dadurch erhöhe sich die Gefahr um ein Vielfaches. Deswegen äußert sich Zörner als entschiedener Gegner aktueller Grenzwerte etwa von Pestiziden im Grundwasser: „Sie sind viel zu hoch. Die Kombination wird nicht berücksichtigt“, sagt er. Im Zusammenspiel mit Kupfer etwa, steige das Gesundheitsrisiko deutlich an. Ein weiteres Beispiel nennt er mit Zahlen: Liege das Lungenkrebsrisiko bei Asbest bei 5,2 Prozent und beim Rauchen bei 10,8 Prozent, betrage es kombiniert 53,2 Prozent. 

Unterschätzte Gefahr: Stäube

Eine weitere unterschätze Gefahr seien Stäube, die sogar über die Haut aufgenommen würden. Deshalb hat das Lafu auch an einem Staubleitfaden mitgewirkt, der bei dem Vortrag näher erläutert werden sollen. „Wir können Geruchsstoffe in der Luft ermitteln, die auf Belastungen zum Beispiel im Fußboden hinweisen“, sagt Innenraumexpertin Renate Seyfert. Das funktioniere auch bei mittel- und schwerflüchtigen Stoffen wie Holzschutzmitteln, die nicht sofort sichtbar seien. Nach mehreren Untersuchungen lasse sich dann ein Sanierungskonzept erstellen.

Doch den gefährlichen Stoffen stehe oft das Interesse gegenüber, das Thema kleinzuhalten, kritisiert Gary Zörner: „Das wird systematisch unter den Teppich gekehrt.“ Besonders kritisch sei das bei öffentlichen Gebäuden wie Schulen, wenn Städte kein Geld für die Sanierung investieren wollten. Zörner führt einen Fall an, bei dem an einer Schule sechs von 30 Lehrern und damit deutlich mehr als im Durchschnitt an Leberkrebs erkrankt seien. In der Luft seien dann krebserregende Polychlorierte Biphenyle (PCBs) nachgewiesen und später als Quelle die Dichtungsmasse zwischen den Wandteilen ausgemacht worden. Zörner sagt:

11.000 Schulen in Deutschland sind PCB-verseucht. Aber die gesundheitlichen Auswirkungen werden ignoriert.

Um für eben solche gefährlichen Stoffe zu sensibilisieren und Tipps zum Schutz vor diesen Wohngiften zu geben, laden die vier Experten zu ihrem Vortrag in die VHS. Die drei Unterrichtseinheiten kosten neun Euro. Es ist der 22. Vortrag des Lafu in der Veranstaltungsreihe zusammen mit der VHS.

Quelle: https://www.noz.de/lokales-dk/delmenhorst/artikel/1982797/lafu-informiert-delmenhorster-ueber-wohngifte

 

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