Lafu-Untersuchung für TV-Beitrag: Delmenhorster Labor warnt vor Plastik im Gartenkompost | Lafu GmbH
Das WDR-Team filmt Lafu-Chef Gary Zörner (v.r.) und Probennehmerin Irina Andreisek im Labor bei der kritischen Betrachtung der Deklaration auf den Kompostbeuteln. Foto: Renate Seyfert/ LafuDas WDR-Team filmt Lafu-Chef Gary Zörner (v.r.) und Probennehmerin Irina Andreisek im Labor bei der kritischen Betrachtung der Deklaration auf den Kompostbeuteln. Foto: Renate Seyfert/ Lafu

Delmenhorst. Die Qualität gängiger Fertigkomposte hat das Delmenhorster Labor Lafu für das WDR-Verbrauchermagazin „Markt“ untersucht.

Wie stark der analysierte Gartenkompost mit Schwermetallen und Fremdstoffen wie Glas, Steinen und vor allem Plastik belastet war, berichten Lafu-Chef Gary Zörner und sein Team am Mittwoch, 15. Mai, um 20.15 Uhr im WDR-Fernsehen. Vorab gewährt Zörner einen Einblick hinter die Filmkulissen – die Aufzeichnungen erfolgten am Samstag – und erklärt, was bisherige Kompost-Tests des Labors ergaben.

Das Lafu war schon an über 50 TV-Sendungen beteiligt, der WDR wählte das Delmenhorster Labor diesmal auch aus, weil es von der Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) anerkannt ist. Zwei Lafu-Probennehmerinnen gehören nach bestandenen Ringversuchen zum System der Gütesicherung der BGK. Im WDR-Auftrag überprüften sie nun fünf Fertigkomposte auf Nährstoff- und Wassergehalt, die Deklaration sowie Kontaminationen durch Schwermetalle und Fremdstoffe.

Schwermetalle und Plastikmüll im Kompost

Die konkreten Ergebnisse und die Bewertung sind Mittwochabend im WDR zu sehen. Generell sagt Zörner aber, das im Kompost, der aus Grünschnitt und Bioabfällen besteht, regelmäßig nachgewiesene Plastik sei „ein deutlicher Hinweis darauf, dass handelsüblicher Fertigkompost aller gängigen Marken mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls Mikro- und Nanoplastik enthält, da diese durch den Abbau größerer Plastikteile entstehen“.

Ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Kompost sei ein geringer Anteil an Fremdkörpern, wie Glas, Metall und Plastik. Auch wenn Produkte die geforderten Grenzwerte einhalten, finden sich Reste von Verunreinigungen. „Insbesondere die steigende Menge an Plastikmüll im Kompost ist Grund für Besorgnis“, betont Lafu-Chef Zörner. Der Abbau von Kunststoffen könne viele hundert Jahre dauern und führe dazu, dass Plastik in immer kleinere Partikel zerfällt, das sogenannte Mikro- und Nanoplastik. „Laut einer Studie des Fraunhofer Instituts entstehen jährlich 330.000 Tonnen dieser extrem feinen Plastikpartikel, das sind rund 4 Kilo pro Kopf allein in Deutschland“, berichtet Zörner.

Plastik-Abbau soll gefährliche Chemikalien freisetzen

Beim Abbau von Plastik würden zudem „gefährliche Chemikalien wie Weichmacher, Stabilisatoren und Schwermetalle freigesetzt, welche toxisch, hormonaktiv und krebserregend sind“. Über pflanzliche und tierische Nahrungsmittel landen sie beim Menschen, warnt Zörner. Und es könne im Zusammenspiel mit Schwermetallen wie Blei oder Kupfer, die grundsätzlich in Fertigkomposten festgestellt würden, zu sogenannten Kombinationswirkungen kommen, was eine um ein Vielfaches erhöhte Belastung bedeute. Das wird laut Zörner bei Grenzwerten kaum berücksichtigt, daher fordert er: „Generell sollten Richt- und Grenzwerte aus Sicht der Vorsorge und Prävention um ein Vielfaches geringer sein, als zurzeit vorgegeben.“

Da es unmöglich sei, das Plastik aus der Umwelt wie auch aus erworbenen Produkten wie Kompost zu entfernen, fordert Zörner Politik und Gesellschaft auf, „den weiteren Eintrag von Plastik in die Umwelt massiv einzudämmen“. Neben Aufklärung und Bildung brauche es effektive Kontrollsysteme und die Hersteller von Kunststoffprodukten müssen aus Zörners Sicht „zu einer weitreichenden Produkthaftung verpflichtet werden“. Erst wenn sicher bewiesen ist, dass ein Produkt oder Produktionsverfahren nicht gesundheits- und umweltgefährdend ist, dürfe es angewendet werden.

Von Sonia Voigt

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