Lafu warnt davor, Risiken von Covid-19 zu unterschätzen – In puncto Hygiene ist auf das Labor Verlass | Lafu GmbH

Hygiene ist in zahlreichen Geschäftsbereichen des Delmenhorster Labors für Umweltuntersuchungen (Lafu) von tragender Bedeutung. Das war auch schon längst vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie der Fall. Zuletzt nahm das Lafu um Leiter Gary Zörner als vertrauensvoller Partner für sämtliche Hygienefragen zur aktuellen Corona-Krise Stellung. Es wird dazu gemahnt, die Gefahren, die von Covid-19 ausgehen, nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

„Viele Menschen fragen sich immer wieder, wie es zu zahlreichen verschiedenartigen Erkrankungen kommen kann, für die es scheinbar keine Erklärung gibt. Ein größeres Verständnis für die Ursachen und Auswirkungen von gesundheitlichen Belastungen zum Beispiel durch Viren, Bakterien, Schimmel, Chemikalien, Fasern, Strahlung und so weiter wird leider nur sehr unzureichend über Schulen, Universitäten, Behörden, Betrieben, Medien und so weiter vermittelt“, merkt Diplom-Ingenieur Gary Zörner, Leiter des Lafu, an.

Unerfreulichem wird mit Bequemlichkeit und Ignoranz begegnet

Ergänzend gibt er an: „Dazu kommt, dass wir tendenziell so geprägt sind, Unangenehmes oder unliebsame Erfahrungen zu verdrängen oder zu verleugnen. Gegenüber Erkenntnissen, Fakten und plausiblen Zusammenhänge sollen wir realitätsresistent sein und beruhigt in einer trügerischen ‚Wohlfühlzone‘ verharren.“

Zu seiner Einrichtung sagt Zörner im Zusammenhang damit Folgendes: „Die Lafu GmbH beschäftigt sich seit über 27 Jahren insbesondere mit dem Aufspüren von mikrobiologischen und chemischen Belastungen. Diese oft unsichtbaren Gefahren können durch die vielschichtigen Tätigkeitsbereiche und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit vielen Partnern einschließlich des Bezuges auf gesellschaftliche Zusammenhänge meist umfassend dargestellt werden.“

Mangelhafte Aufklärung über Mikroorganismen

Der Lafu-Chef sieht ein klares Versäumnis: „Für den Großteil der Bevölkerung sind die Ursachen von Belastungen für Gesundheit und Umwelt zum Beispiel durch Bakterien, Viren, Schimmel und Schadstoffe in den allermeisten Fällen nicht mit bloßem Auge zu erkennen. Diese nicht wahrgenommenen Realitäten betreffen unsere gesamte Umwelt und damit jeden Menschen. Mikroorganismen finden sich überall in und um uns. Dennoch wird nur wenig Aufwand betrieben, die breite Bevölkerung über den Umgang und mögliche Gefahren aufzuklären.“

Lafu informiert in Vorträgen

Zörner tut kund: „Mit Vorträgen über viele unserer Arbeitsfelder klären Mitarbeiter der Lafu GmbH regelmäßig mit einer Reise zur Wahrnehmung über verschiedene Problembereiche und zugrundeliegende strukturelle Fehler auf. Denn tatsächlich liegen vielen der Gefahren, mit denen wir alltäglich konfrontiert sind, finanzielle und politische Interessen zugrunde.“

Exemplarisch nennt er nitratbelastetes Grundwasser, Atomkraft, gesundheitsschädliche Substanzen in Nahrungsmitteln und Alltagsgegenständen sowie Wohngifte in Baumaterialien und Ausstattungsgegenständen. „Ohne entsprechende Qualifizierung und durch die allgemeine Verharmlosung solcher Risiken ist es schwer derartige Bedrohungen und Zusammenhänge zu erkennen“, meint der Leiter des Lafu.

Beschlüsse sollen auf vorsorglicher Perspektive beruhen

„Ein grundlegend wichtiges Thema ist das Vermeiden oder zumindest das Minimieren von Belastungen einschließlich der Forderung einer Beweislastumkehr. So sollte zum Beispiel eine Chemikalie, ein Produkt oder ein Produktionsverfahren nur dann erlaubt werden, wenn bewiesen ist, dass keine Schäden für Umwelt und Gesundheit entstehen“, erklärt er.

Zörner gibt zu bedenken: „Die weiteren Entscheidungen bezüglich der Ausbreitung des Coronavirus müssen entsprechend einer vorsorgenden Sichtweise getroffen werden. In der COVID-19 Problematik sind gravierende Fehler gemacht worden, die auch mit einer Realitätsverleugnung und entsprechenden Interessen zusammenhängen.“

Weiter führt er aus: „Auch in der aktuellen Corona-Krise sind diese Mechanismen vielerorts zu beobachten. Insbesondere der Abbau von Krankenhausbetten aus marktwirtschaftlichen Erwägungen führt in Deutschland und mehr noch in wesentlich stärker privatisierten Ländern wie den USA dazu, dass die Kapazitäten der Krankenhäuser früher als notwendig erreicht werden.“

Sparzwang trug in Italien zu verheerenden Folgen bei

Der Lafu-Chef geht näher darauf ein: „Während in Deutschland öffentliche Krankenhäuser schließen, stieg die Zahl privat betriebener Krankenhäuser in den letzten 20 Jahren deutlich an. Zeitgleich sank die absolute Zahl der Krankenhäuser wie auch die der Krankenhausbetten, während die Ausgaben für die Krankenhausversorgung rasant anstiegen.“

In diesem Kontext kommt berichtet er: „Gleichzeitig wurde Ländern wie Griechenland und Italien im Zuge der Ausgabenkürzungsspolitik in den Folgen der Wirtschaftskrise 2008 auch im Gesundheitssystem ein strikter Sparkurs auferlegt. Seit 2008 sind so in Italien die pro Kopf Ausgaben im Gesundheitsbereich um über 30 Prozent gesunken.“

Von den Auswirkungen ist Zörner schockiert: Die Folgen sind in Italien in desaströser Weise sichtbar geworden, wo durch das Instrument der Triage auf das Übersteigen der Behandlungskapazitäten reagiert werden musste. Italien bezahlt diesen Zustand mit inzwischen circa 20.000 Menschenleben. Obwohl Italien den Notstand ausgerufen hat, lässt die solidarische Unterstützung der EU auf sich warten.“

Vorzug der Wirtschaft kostete Menschenleben

„Auch hierzulande hätten viele Todesfälle verhindert werden können, wenn Verantwortliche die Bedeutung exponentiell ansteigender Fallzahlen erfasst und dann ohne marktwirtschaftliche Interessen gehandelt hätten. Als in China bereits die Region Wuhan abgesperrt war und über fünf Millionen Menschen unter Quarantäne gestellt worden waren, stellte Jens Spahn, der deutsche Gesundheitsminister eine Corona-Infektion trotz fehlender Daten in der Tagesschau als deutlich milder als eine Grippe dar“, erinnert er.

Es wurde nur langsam und zu spät reagiert

Der Leiter des Lafu rekapituliert weiter: „Dementsprechend wurden in Deutschland Flugpassagiere aus betroffenen Regionen nicht untersucht oder getestet und Flüge aus China erst zwei Monate später gestoppt! Dies geschah mehr als sechs Wochen, nachdem die WHO einen internationalen Notfall ausgerufen hatte!“

Er setzt daran an: „Auch nachdem die WHO die Gefahrenstufe weiter erhöht hatte, wurden von Seiten des Gesundheitsministeriums keine Reisebeschränkungen ausgerufen und auch keine Großveranstaltungen abgesagt. Um die wirtschaftsförderlichen Effekte des Karnevals nicht zu gefährden, wurde dieser nicht aufgehalten und erst nach Fasching, am Aschermittwoch gestand Jens Spahn erstmals ein, dass die Corona-Pandemie auch in Deutschland ausgebrochen sei.“

Ski-Tourismus leistete Vorschub

„Neben Reisenden aus China waren rückkehrende Skitouristen aus Tirol und insbesondere aus dem ‚Ballermann der Alpen‘, Ischgl, die ersten Infizierten in Deutschland. Denn auch in Österreich waren Politiker und Behörden nicht bereit, die für die Region äußerst lukrative Skisaison frühzeitig zu beenden, obwohl schon Anfang März isländische Urlauber sowie ein Barkeeper in einem Après-Ski Club positiv auf Covid-19 getestet waren“, so Zörner.

Von Ischgl aus breitete sich das Coronavirus in ganz Europa aus

Was er davon hält, macht er deutlich: „Der Landessanitätsdirektor von Tirol postulierte derzeit, dass eine Übertragung des Virus auf Touristen unwahrscheinlich sei! Eine krasse Falscheinschätzung, wie sich später zeigte. Allein der infizierte Barkeeper hatte 15 Kontaktpersonen angesteckt. Als nach zwei Wochen schlussendlich die Skisaison für beendet erklärt wurde, reisten alle Touristen aus, sodass sich das Virus auf diesem Weg in ganz Europa verteilen konnte.“

Wirtschaft hat auch in den USA Vorrang

„Auch in anderen Ländern, allen voran in den USA werden keine ernstzunehmenden Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Virus mit Blick auf mögliche Schäden für die Wirtschaft umgesetzt. Exponentielle Verbreitungsmuster wie wir sie bei der Corona-Pandemie sehen, sind nicht neu. So veranschaulicht ein Beispiel von 1918 im Umgang zweier Städte in den USA mit der Spanischen Grippe, dass Prävention neben einem funktionierenden, staatlichen Gesundheitssystem ein wichtiger Faktor zur Eindämmung einer Pandemie ist“, offenbart der Lafu-Chef.

Karneval förderte die Ausbreitung in Deutschland

Zunächst schildert er: „Die Stadt Philadelphia hatte damals ganze zehn Tage nach Ausbruch der Spanischen Grippe eine Parade mit 200.000 Menschen durchgeführt, 72 Stunden später brach das Gesundheitssystem unter dem Ansturm der Infizierten zusammen. In der Folge starben in Philadelphia über 10.000 Menschen im Monat.“

Dem stellt er folgendes gegenüber: „Gleichzeitig konnte St. Louis den Ausbruch einer Pandemie verhindern, indem dort nur zwei Tage nach Bekanntwerden des ersten Grippefalls alle öffentlichen Einrichtungen geschlossen und Veranstaltungen verboten wurden!“

Abschließend legt Zörner dar: „Ähnlich wie Philadelphia eine Parade mit 200.000 Menschen noch zehn Tage nach dem ersten Fall der Spanischen Grippe 1918 durchführte, wurde in Deutschland noch 20 Tage nach Bekanntwerden des ersten Corona Falls Karneval mit über zwei Millionen Menschen gefeiert! In den USA sind beispielsweise Flugreisen weiterhin nahezu uneingeschränkt möglich. In der Folge hat in Deutschland die Zahl der Infizierten inzwischen die in China überholt und Europa ist die Region mit extrem hohen Fallzahlen, während die USA derzeit mit über einem Drittel aller Infizierten weltweit trauriger Spitzenreiter ist.“

Bild: Lafu-Chef Gary Zörner bezog Stellung zur Corona-Krise und sparte dabei nicht mit Kritik.

 

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