Müllmengen sollen minimiert werden | Lafu GmbH

Delmenhorst beteiligt sich an Europäischer Woche der Abfallvermeidung mit Aktionstag in der Markthalle

Dieser Film wirkte in Gudrun Sievers nach. „Plastic Planet“ hatte sie gesehen, ein Film darüber, dass wir im Plastikzeitalter leben. Plastik ist immer und überall. „Deswegen habe ich vor fast zwei Jahren angefangen, auf den Gelben Sack zu verzichten“, erzählt sie. So einkaufen, dass kein Verpackungsmüll anfällt – das ist anno 2015 eine echte Herausforderung. Und wenn es sich doch einmal nicht vermeiden lässt, Kunststoffe mit einzukaufen, bringt sie diesen Müll in die Supermärkte zurück. „Mittlerweile ist es eine sportliche Aufgabe in unserer Familie, wer das am besten schafft“, sagt sie.

Wie das geht, so plastikfrei wie möglich zu leben, das erzählt Gudrun Sievers am Mittwoch, 25. November, von 10 bis 18 Uhr in der Markthalle, also am Aktions- und Mitmachtag unter dem Motto „Mach was draus! Die Ideenwerkstatt – Aus Alt wird Neu“, mit der sich die Stadt Delmenhorst am Dienstag und Mittwoch kommender Woche an der Europäischen Woche der Abfallvermeidung beteiligt. „Es geht dabei um die drei großen R: Reduce, Reuse, Recycling“, erklärt Monika Grenzdörfer vom städtischen Fachdienst Umwelt. Also um Abfallvermeidung, Wiederverwertung – worauf ganz klar der Fokus liegen soll – und, wenn es sich eben nicht vermeiden lässt, um Recycling.

„Es sind Kleinigkeiten, die jeder machen kann – auch wenn wir als Verbraucher nicht die größten Müllproduzenten sind“, erklärt Monika Grenzdörfer. Aber mit den kleinen Aktionen soll auch das Bewusstsein geschärft werden, wie das Leben in den Industrieländern müllärmer werden kann. Was man selbst tun kann, dafür gibt es zahlreiche Anregungen in der Markthalle, in der einige Institutionen und Initiativen den Mittwoch gestalten.

Das Müllvermeiden fange bei so ganz alltäglichen Dingen wie dem Essen an, wie Claudia Kay vom Regionalen Umweltbildungszentrum (RUZ) Hollen erklärt. Sie ist dort für das Projekt „Wirf mich nicht weg – Dein Essen“ zuständig. „Für Interessierte gibt es Wunderlinge“, sagt sie. Das ist sonderlich aussehendes Gemüse, das zeigen soll, dass es reizvoll sein kann, Lebensmittel zu essen, die nicht hochglanzkatalogtauglich ausschauen. „50 Prozent der Ernte kommt wegen Schönheitsfehlern gar nicht erst in den Handel“, erklärt sie. Ergänzt wird dieses Engagement durch die Berufsbildenden Schulen II, die nicht nur für die Verpflegung in der Halle zuständig sind, sondern auch ihr Restekochbuch verkaufen, das in Zusammenarbeit mit dem RUZ entstanden ist: Dieses Buch soll zeigen, was man mit den angebrochenen Lebensmitteln im Kühlschrank vielleicht noch machen kann, außer sie zu entsorgen.

Eine weitere Art, Abfall zu vermeiden: die Lebensdauer eines Produktes zu verlängern. Das ist die Idee hinter dem Reparatur-Café der Arbeitsgemeinschaft 60plus der SPD, die dieses Angebot Anfang des Jahres ins Leben gerufen hat. Mit riesigem Erfolg übrigens. Wer ein defektes Gerät hat, kommt dorthin, und versierte Fachleute schauen, ob sie es reparieren können. Das spart Geld, weil keine neuen Geräte angeschafft werden müssen. Und das vermeidet Müll, weil nicht ein weiteres Elektrogerät auf der Halde landet. Das Prinzip funktioniert natürlich auch mit Kleidungsstücken. Selbst falls sie nicht mehr so hergestellt werden können, dass man sie noch tragen kann, lässt sich aus ihnen garantiert etwas Neues fabrizieren. Für alle, die sich ausprobieren wollen, stehen Nähmaschinen in der Markthalle bereit. Wie auch das Wissen einer erfahrenen Wiederverwerterin.

Darüber hinaus gibt es auch viele Informationen in der Markthalle. Der Naturschutzbund (Nabu) informiert zum Beispiel über die Gefahren und Belastungen, die von Aluminium ausgehen. Die Grünen wiederum beschäftigen sich mit Coffee to go, also Kaffee zum Mitnehmen, und den dadurch anfallenden Müllbergen aus Bechern und Deckeln – denn allein in Deutschland werden jährlich 2,8 Milliarden solcher Becher verkauft, sagt Werner Klaus aus dem Parteivorstand.

Eröffnet werden die Delmenhorster Aktionstage bereits am Dienstag um 18.30 Uhr, zuerst mit Reden von Oberbürgermeister Axel Jahnz und dem Landtagsabgeordneten Axel Brammer. Im Anschluss hält Gary Zörner, Chef des Labors für chemische und mikrobiologische Analytik (Lafu) auf der Nordwolle, in Kooperation mit der Volkshochschule den Vortrag „Was hat Abfallvermeidung mit Umwelt und Gesundheit zu tun“. Dabei wird er unter anderem darauf aufmerksam machen, dass der gesamte Lebenszyklus’ eines Produktes Abfall produziert. Das beginnt bereits bei der Gewinnung der Rohstoffe, um überhaupt etwas produzieren zu können. Der Eintritt an diesem Abend kostet fünf Euro, der Mitmachtag am Mittwoch ist kostenfrei.

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