Realitäten erfassen, statt verleugnen | Lafu GmbH

Gary Zörner: Ursache für die Infektionsketten bei der Massentierhaltung suchen

Während die Gerüchte um die Ursache der EHEC-Bakterien immer haarsträubendere Kreise ziehen, appelliert Lafu-Chef Gary Zörner an die Verantwortlichen, dort zu suchen, wo die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist.

Bei EHEC handle es sich um einen Darmkeim, der insbesondere im Kot von Nutztieren vorkommt. In Deutschland seien allein über 50 Prozent der Rinderbestände EHEC infiziert. „Wahrscheinlich ist demnach, dass die Bakterien im Darm der Tiere ihren Ausgangspunkt haben“, sagt Gary Zörner, Chef des Delmenhorster Labors für mikrobiologische und chemische Analytik. Er und seine Mitarbeiter waren in den vergangenen Wochen dem Erreger in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein auf der Spur und damit beauftragt, Gemüseproben zu nehmen.

Plausibel ist für den Wissenschaftler, dass die Quelle für die Infektionsketten vor allem bei der Massentierhaltung zu suchen ist: „Dort wo die meisten Mengen an Antibiotika eingesetzt werden. Denn das ist der Hauptstressfaktor für Bakterien, die sich in Folge dessen verändert und eine Resistenz gebildet haben“, erklärt er. Die Bakterien könnten dann über die Gülle in weitere Agrarbereiche, wie beispielsweise Monokulturen-Gemüseanbau gelangt sein. Hinzu komme: „Wenn die Gülle über die Felder gesprüht wird, fliegen kleinste Wassertröpfchen mit den gefährlichen Bakterien mehrere Kilometer weit. Bei Wind können sie sich später noch weiter über trockene Stäube verteilen. Sie können auf andere Gewächshäuser, in Bewässenmgsanlagen, Klimaanlagen oder über Transportwege überall hin gelangen.“ Einen Beitrag könne zudem eine nicht artgerechte Fütterung geleistet haben. Nachgewiesen sei, dass sich das Darmmilieu der Tiere durch das stärkereiche Kraftfutter verändert.

„Warum wird bei der Suche nach der QueUe des EHEC-Bakteriums nicht endlich differenziert und dort geschaut, wo die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist?“, fragt Gary Zörner. „Denn wenn jeder zweite Bestand an Nutzvieh mit den gefährlichen Keimen befallen ist, dann sollte vor der Gülle-Ausbringung getestet werden, ob diese Charge befallen ist.“Außerdem sollten befallene Tiere später nicht zum Verzehr freigegeben werden. „Es ist dringend erforderlich, Realitäten zu erfassen und Verantwortung zu übernehmen, statt zu verleugnen“, betont Zörner. (nba)

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