Verdacht von Wasserverschmutzung „Warnungen sind nicht gehört worden“ | Lafu GmbH

Tim Schmidt hat in Wasserproben für den Deichhäuser Graben einen Eisen-3-Wert von 16,23 Milligramm pro Liter ermittelt. Fischen schade Wasser bereits mit einer Anreicherung von 0,2 Milligramm pro Liter.

Anwohner Tim Schmidt hat die hohe Eisenbelastung in der Deichhäuser Heide und am Randgraben beklagt, die Stadt stellte bei einer Wasserbeprobung keine erhöhten Werte fest, am Montag hat der Ochtumverband aber schon eine Sohlräumung durchgeführt. (INGO MÖLLERS)

Jahrelang wehrte sich Tim Schmidt gegen den Bau eines Stauraumkanals vor seiner Haustür. Sein Grundstück liegt in der Gemarkung Ganderkesee, die Ver- und Entsorgung ist an die Netze der Stadt Delmenhorst angeschlossen. Als an der Delme in den zuständigen Gremien über die Installierung des Pumpbauwerks an der Friedensstraße diskutiert wurde, erteilte man Schmidt nicht das Wort, er sei ja Bürger der Nachbargemeinde. Zum Thema einer politischen Beratung in Ganderkesee, von Schmidt angeregt, kam es nicht, weil es ja eine Delmenhorster Angelegenheit ist.

Schmidt ist vor Gericht gezogen und hat dort Prozesse verloren. Das unterirdische Regenrückhaltebecken bringt ein Gewicht von rund 35 Tonnen mit und wurde mittlerweile in einer sechs Meter tiefen Baugrube versenkt. Die dafür vorgenommene Grundwasserabsenkung macht Schmidt für Risse in seinem daneben liegenden Haus und im benachbarten Elternhaus verantwortlich. In seinem Garten sind etliche Bäume und Sträucher wegen neuerlichen Wassermangels eingegangen.

Durch die von August bis November vorvergangenen Jahres erfolgte Grundwasserabsenkung  soll sich nun eine große Menge eisenbelasteten Wassers seinen Weg über den Deichhäuser Graben bis in den Randgraben in Richtung des Naturschutzgebietes Geigensee ergossen haben. Bei einem Spaziergang war Schmidt am 20. Dezember das bräunlich gefärbte Wasser aufgefallen – als die Gräben dann trocken gefallen waren, blieben Ufer und Sohle stark verfärbt zurück.

Wasserprobe von Labor untersucht

Schmidt wandte sich an die Verantwortlichen beim Landkreis Oldenburg und bei der Stadt Delmenhorst. Noch am 30. Dezember war es an der beanstandeten Stelle zu einem Lokaltermin gekommen. Schmidt legte Fotos vor und das Messprotokoll des Labors für

Chemische und Mikrobiologische Analytik (Lafu). Die Experten ermittelten in einer von Schmidt genommenen Wasserprobe für den Deichhäuser Graben einen Eisen-3-Wert von 16,23 Milligramm pro Liter. Fischen schadet Wasser bereits mit einer Anreicherung von 0,2 Milligramm pro Liter. Eine weitere Probe aus dem Randgraben auf dem Gebiet der Gemeinde Ganderkesee ergab einen Eisen-3-Wert von 58,5 Milligramm pro Liter. „Leider sind meine Warnungen im Vorfeld nicht erhört worden“, sagt Schmidt.

Der 50-Jährige hatte sich gegen den Einbau der technischen Anlage vor seinem Grundstück engagiert und bestreitet weiterhin den Nutzen, denn bei Regenfällen gebe es noch immer Überschwemmungen am Anfang des Deichhäuser Kanals. Schmidt setzt sich für ein Umdenken ein und fordert die ökologische Wiederherstellung offener Gräben zur Ableitung des Oberflächenwassers. „Im Randgraben, in der Welse und auch in der Ochtum sind Fische in Gefahr“, warnt Schmidt mit dem Verweis auf die aktuelle Oxidbelastung. Er sieht auch eine Wiederholungsgefahr durch weitere Grundwasserabsenkungen, allein im Bereich der Friedensstraße werden an zwei weiteren Stellen Stauraumkanäle gebaut.

Vonseiten der Stadt wurde eine Erklärung für Dienstag angekündigt. Bisher wurden eigene Wasserproben beim Lafu in Auftrag gebracht. Diese Proben an zwei Gewässerstellen ergaben Werte für Eisen-3 in den Größenordnungen 0,958 und 1,812 Milligramm pro Liter. „Die Untersuchungsergebnisse der Wasserproben aus dem Randgraben liegen im normalen anzutreffenden Wertebereich“, sagt Holger Mövens von der Unteren Wasserbehörde. „Meine Proben kommen aus dem von mir gemeldeten, verschmutzten Bereich“, wehrt sich Schmidt und verneint eine Vergleichbarkeit der Untersuchungen an verschiedenen Standorten. Die Stadt habe dort, wo Schmidt die Verunreinigung feststellen ließ, eben keine Proben genommen.

Obwohl nach der durch die vom Fachdienst Umwelt in Auftrag gegebene Wasseranalyse die Eisen-3-Belastung unbedenklich wäre, wurde nach Rücksprache mit dem Ochtumverband „noch heute mit der Sohlräumung des Wasserzuges in der Deichhäuser Heide begonnen“, schrieb Mövens Montagmorgen an Tim Schmidt.

„Über eine Verunreinigung liegen hier keine Kenntnisse vor“, sagte Matthias Stöver, Geschäftsführer des Ochtumverbandes auf Nachfrage des DELMENHORSTER KURIER. Es sei richtig, dass mit dem Ausmähen des Gewässers „Wasserzug von der Deichhauser Heide“ mittels Bagger mit Mähkorb im Rahmen der Gewässerunterhaltung begonnen wurde.

Umweltbildung für Schüler

Tim Schmidt ist es unterdessen leid, sich weiter mit den Behörden herumzuärgern. Dem beruflich als Lehrer tätigen Bürger ist es mehr Wert, sich jetzt um die Aufklärung der Jugend zu bemühen. Er hat die Internet-Seite „wasser-ist-ein-kostbares-gut.de“ eingerichtet und lädt Schüler und Studienrende ein, sich über die Gewässer der Region zu informieren und sich gemeinsam für ökologische Aufwertungen stark zu machen. Dafür biete sein neues Portal eine ganze Reihe von Mitmachmöglichkeiten.

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