Warum wird nicht die Gülle untersucht? | Lafu GmbH

Lafu beteiligt sich an Suche nach dem EHEC-Erreget

Lafu-Chef Gary Zörner kritisiert die Art der Suche nach dem EHEC-Erreger. Seine Mitarbeiter sind in die Nachforschungen einbezogen.

DELMENHORST. Nach dem EHEC-Erreger wird mittlerweile auch mit Delmenhorster Beteiligung gesucht: Zwei Miarbeiterinnen des Labors für chemische und mikrobiologische Analytik (Lafu) haben am Donnerstag in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern auf acht Feldern großer Gemüseproduzenten und in einem Packhaus Proben der dort angebauten Salatpflanzen genommen.

Der Auftrag hierfür kam von der Firma International Sampling Service, die vornehmlich für große Handelsketten Proben landwirtschaftlicher Produkte entnimmt.

„Hierfür ist ein Zertifikat notwendig, die Probenentnahme muss nach bestimmten Normen erfolgen“, erklärt Laborleiter Gary Zörner. Frauke Heimsoth berichtet von ihrer Tätigkeit in den Anbaugebieten: „Wir sind auf Feldern unterwegs gewesen, die teils zwei Hektar, aber auch bis zu 30 Hektar groß waren. Dabei sind wir die Anbauflächen in Z-Form abgelaufen, um von allen Bereichen ein Muster zu bekommen. Die Proben entnahmen wir mit Handschuhen und Besteck, das nach jedem Arbeitsgang wieder desinfiziert werden musste. Jede Probe kam in eine eigene Plastiktüte.“ Gestern froh war die Umweltwissenschaftlerin dann damit beschäftigt, die Proben für den Versand zum Speziallabor zu verpacken, wo nun nach dem EHEC-Erreger gesucht wird.

„Warum wird nicht die Gülle untersucht?“, fragt sich Laborleiter Zörner unterdessen. Denn dort, von den Ausscheidungen der Tiere, kämen die Keime her. „Man muss alles wahrnehmen, was mit der Verbreitung der Erreger zu tun hat. Die Strategie, nur das Gemüse zu untersuchen, halte ich für verantwortungslos und falsch. Da, wo die Gülle anfällt, transportiert und auf die Äcker gebracht wird, kann man Antworten finden.“

Wind nähme die belasteten Aerosole und Stäube mit und kontaminiere dann eventuell Felder, die sonst gar nicht mit den Ausscheidungen in Berührung kämen, oder gelange in Beregnungsanlagen oder Klimaanlagen von Gewächshäusern großer Agrarbetriebe. Welche Gülle mit den grassierenden Keimen belastet ist und wie diese sich verteilen, müsse die Fragestellung der Behörden sein. „Hier werden die Ursachen eventuell bewusst zum Nutzen der industriellen Landwirtschaft vertuscht.“ Zörner ist sich sicher: Eine spanische Biogurkenlieferung, die möglicherweise erst in Hamburg belastet wurde, kann die Krankheitswelle nicht allein ausgelöst haben. Die heutige Form der Agrarproduktion mit Monokulturen und Massentierhaltung liefere erst die Bedingungen, damit ein Erreger wie EHEC derart aggressiv wird und sich ausbreiten kann: „EHEC gibt es seit Jahrzehnten. Doch in der Massentierhaltung werden so große Mengen Antibiotika eingesetzt, dass die Erreger nun resistent sind.“

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