Winzige leuchtende Detektive | Lafu GmbH

Winzige, leuchtende DetektiveUmwelttechnologie für Paläste

Das Labor für Chemische und Mikrobiologische Analytik GmbH (Lafu) in Delmenhorst von Michael Bruns

Auf dem weitläufigen ehemaligen Nordwolle-Gelände leitet Gary Zörner seine ÖkoFirma von einem kleinen Büro aus. Den Platz, den er in dem Technologiezentrum der Stadt Delmenhorst zur Verfügung hat, nutzt er für die vielen und zum Teil wuchtigen Apparaturen, mit denen er und seine Mitarbeiter beispielsweise chemische und mikrobiologische Untersuchungen anstellen. „Es war riskant, mit so wenig Labor anzufangen, wie ich es getan habe“, blickt Zörner zurück. in den fast fünf Jahren seit Firmengründung hat er dann stets „hochgerüstet“, schließlich hat Lafu sein Repertoire in diesen Jahren erweitert. Neben der Analytik und Umweltverfahrenstechnik (einschließlich Labortechnikum und Verfahrensentwicklung), der Lebensmitteltechnologie und der Unternehmensberatung fehlen im Dienstleistungsangebot des Unternehmens auch aktuelle Stichworte wie Öko-Audit, HACCP-Konzept (Lebensmittelhygiene) und Wohnraumgifte nicht. „Zörner: Wir bemühen uns um einen breiten Horizont und darum, den Gedanken der Prävention in unsere Arbeit einzubringen, wir geben uns Mühe, in die Tiefe zu gucken“. Die professionellen Umweltschützer von Lafu, nach Firmenangaben einschließlich Praktikanten und Diplomanden derzeit zwölf Mitarbeiter, analysieren Wasser, Abwasser, Böden und Lebensmittel. Sie fahnden in Wohnungen nach Bakterien und Viren, Legionellen und Amöben. Und manchmal setzen auch sie, wie in der Branche verbreitet, kleinste Mikroorganismen als Helfer bei ihrer Arbeit ein, um Licht in Fälle von Umweltverschmutzung zu werfen. Neuester Schrei bei Lafu: im Labor geben Leuchtbakterien Hinweise auf die Vergiftung von Flusswasser. Die Laboranten suchen nach Antworten auf die Fragen von Behörden: wie konnte es zum Fischsterben kommen, was ist nach einem Brand mit dem Löschwasser in den Fluss gelangt? Zörner, Ingenieur für Lebensmitteltechnik, Chemielaborant und Fachkraft für Technischen Umweltschutz, fasziniert, was die „Mikros“ alles anrichten können, wie sie sich anpassen, sich verändern, Toxine und sogar krebserregende Stoffe bilden können. Mit der Welt der Mikroorganismen habe er sich schon im Studium staunend beschäftigt. Neue Messtechniken sollen Lafu und den Kunden des Unternehmens helfen, schnell und genau Umweltgefährdungen festzustellen. So arbeitet Lafu beispielsweise in der Verfahrenstechnik mit einer Sonde, die, ins Abwasser gehängt, die UV-Absorption misst und online Daten über die Belastung des Abwassers mit gelösten organischen Stoffen liefert, Zörner (44) zählt Stationen seiner beruflichen Biographie auf: Er hat im Versuchslabor Grundstoffe für einen Berliner Limonadenhersteller gemischt, zwei Jahre lang in Nigeria die Inbetriebnahme eines agroindustriellen Komplexes geleitet und sich bei einer Bremer Firma mit Wasserund Abwasseraufbereitung beschäftigt. „Die Branche bröckelt“, meint Zörner, derzeit würden schon wieder Kapazitäten abgebaut. Um sich im Markt der UmweltschutzDienstmeister zu behaupten, muss der Delmenhorster deshalb ein gehöriges Quantum Umtriebigkeit an den Tag legen. Lafu beteiligte sich, wenn auch erfolglos, mit anderen Firmen und Hochschulen im Nordwesten am Bio-Regio-Wettbewerb von Forschungsminister Rüttgers, kann nun aber auf Fördermittel des Landes hoffen. Die Firma knüpfte Kontakt zu japanischen Interessenten und schmiedet jetzt mit überwiegend Bremer Firmen an einem Plan, der einen gemeinsamen Auftritt als Systemanbieter in Asien vorsieht. Neben Aufträgen aus der Region gab es bislang einen aus Russland. In Rostow am Don hat Zörner vor zwei Jahren eine Kläranlage in Betrieb genommen. Von der Arbeit an diesem besonders umfangreichen und „schwierigen“ Auftrag zeigt er heute noch gerne ein Bild, das ihn auf einem Steg inmitten von Schaumbergen zeigt. Die sind nicht durch zu viel Waschmittel im Abwasser entstanden, sondern durch die von Zörner so bewunderten Mikroorganismen.

Archivierten Artikel herunterladen