Zwischen Ruß und Staub Umweltgiften auf der Spur | Lafu GmbH

Gary Zörner und seine Firma Lafuermitteln nach Großbrand

Von Michael Korn

Delmenhorst. Gary Zörner – kommt so richtig auf Touren, wenn es um Krebs, Allergien, Gifte, Umweltseuchen und Feuersbrünste geht. Ein ganzer Cocktail – von Unglücken ist seine Profession. Von Berufs wegen werden er und sein Team gerufen, wenn es gilt, Schadstoffe aufzuspüren, Krankheitsursachen herauszufinden oder sogar Straftaten aufzudecken. In einem aktuellen Fall führt ein Auftrag Zörner an die Stätte eines Großbrandes vom vergangenen Jahr. Dabei geht es um einen Streit des Grundstückseigentümers mit der Versicherung, in dem Umweltgifte womöglich eine bedeutende weil kostenwirksame Rolle spielen. Besagtes Feuer hatte damals in Annenheide ein Lager mit Rohbaumwolle vernichtet und eine angrenzende Nebenhalle schwer beschädigt. Der Eigentümer, der wegen des schwebenden Verfahrens zur Wertermittlung nicht genannt werden will, kämpft nun um eine angemessene Versicherungssumme für diesen noch stehenden Nebenbau. Die Versicherung sagt, der Trakt sei noch gut 1,5 Millionen Mark wert – um diesen Betrag- will sie ihre Auszahlung verringern. Der Eigentümer spricht dagegen von einer Ruine mit erheblich geringerem Wert – er will der Versicherung natürlich mehr Geld abringen. Und an dieser Stelle kommt Gary Zörner mit seiner im Technologiezentrum auf dem Nordwolle-Gelände ansässigen Firma Lafu (Labor für chemische und mikrobiologische Analytik) zum Einsatz. Im Auftrag des Eigentümers hat er ein Gutachten erstellt, das das Ausmaß der Schadstoffbelastung in der brandbeschädigten Nebenhalle feststellt. Und das ist laut dieser Expertise erheblich, so dass eine teure Sanierung die Folge ist. Mit den Zörner-Ermittlungen wird jetzt – wenn nötig gerichtsfest – die Versicherung konfrontiert. ,,Hauptproblem sind krebserregende PAK“, sagt Zörner, also „polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe“ – ein Teufelszeug, das bei Verbrennungsprozessen entsteht. Wer beispielsweise beim Grillen keine Aluschale benutze oder den Qualm einer gelöschten Kerze einatme, setzte sich bereits Gesundheitsrisiken aus. Bei dem Firmengroßbrand in Annenheide, bei dem die Ursache nie eindeutig geklärt wurde, waren laut Zörner Giftschwaden in die als Büro und Lagerraum genutzte Nebenhalle gezogen, nachdem eine Zwischenwand durch die Hitzeentwicklung eingebrochen war. Rußpartikel mit gefährlichen PAK-Anhaftungen setzten sich in Mauerritzen, Vertäfelungen und Dachkonstruktion fest. Zörner wies mit zehn Proben zum Teil hochgradige Konzentrationen des Krebsauslösers nach (bis 2300 Mikrogramm je kg). Zu allem Überfluss ist das Asbestdach ebenfalls beschädigt, so dass auch hier von freigesetzten Fasern aller Wahrscheinlichkeit nach Gesundheitsgefahren ausgehen. Gestern war Zörner mit Handschuhen, Plastikbeutel und feuchtem Tuch noch einmal am Brandort, um weitere Proben im Bürotrakt zu ziehen, die seine bisherigen Ergebnisse untermauern sollen. „Wenn da mal wieder Menschen drin arbeiten sollen, muss das Gebäude von Grund auf gereinigt werden“, mahnt der Umweltexperte. Bis in die letzte Ritze müsse dem Brandstaub nachgespürt werden. Weil PAKs nicht wasserlöslich seien, sei ihnen nur mit Spezialmitteln beizukommen. Das alles unter strengen Sicherheitsvorkehrungen mit Zeltüberbau, Schleusen, Schutzanzügen – eine kostspielige Sache, die weit über 100 000 Mark verschlinge. „Dabei haben wir andere, sicherlich vorhandene Schadstoffe wie Dioxine oder Quecksilber noch gar nicht untersucht“, bekräftigt Zörner. Ein zweites Gutachten, das der Firmeninhaber bei einem Konkurrenzlabor angefordert hatte, bestätigte im wesentlichen die Lafu-Analyse. Allerdings hat Zörner nach Eigenangaben wesentlich detaillierter ermittelt, die Gesamtzusammenhänge der Belastungen dargestellt und auf die Problematik der Feinstäube und Wasserlöslichkeit von PAK hingewiesen. Derartige Gutachteraufträge wie in diesem Brandschadensfall erhält Lafu mit seinen zehn Mitarbeitern immer häufiger: Etwa wenn es um die Ursachenforschung bei einem schwer erkrankten Lastwagenfahrer geht, der auf der Ladefläche mit Lösungsmitteln in Kontakt gekommen ist, bei unerklärlichem Fischsterben im Bremer Hafenbecken, plötzlichem Baumtod in Delmenhorst oder beim Nachweis von Rinder-Risikomaterial in der Fleischindustrie. Auch die mysteriöse Erkrankung einer kompletten Hannoveraner Familie löste Zörner auf – Schuld war giftiger, ausdünstender Fensterkitt. Weiteres wichtiges Aufgabenfeld von Lafu ist das Umwelt- und Hygienemanagement von Gebäuden. Hier ist Zörner etwa für das Bremer Parkhotel tätig. Auftragspotential wittert er zudem aus aktuellem Anlass, nachdem in Bremer Schulen und Kindergärten PCB-Alarm gegeben wurde. Der Schadstoff (polychlorierte Biphenyle) löst ebenfalls Krebs aus.

Archivierten Artikel herunterladen