WDR Beitrag zu Kompost mit Lafu-Beteiligung im TV | Lafu GmbH

Am Mittwoch, den 15.05.2019 um 20:15 wird der von Lafu mitgestaltete TV-Beitrag „Gartenkompost im Check“ in dem Verbrauchermagazin „Markt“ im WDR ausgestrahlt. Das WDR-Team und Dipl.-Ing. Irina Andreisek (anerkannte Probenehmerin bei der Bundesgütegemeinschaft Kompost) und Lafu-Chef Gary Zörner führten im Labor die Kompostuntersuchungen durch. Im Delmenhorster Labor Lafu wurden am 11.05.19 Aufnahmen zu den Ergebnissen der Kompostanalysen durchgeführt.

Lafu war schon an über 50 TV-Sendungen beteiligt. Es wurde vom WDR diesmal auch ausgewählt, weil es von der Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) anerkannt ist. Untersuchungen im Rahmen der RAL-Gütesicherungen müssen von einem Prüflabor durchgeführt werden, dass durch das Bestehen von Ringversuchen seine Qualifizierung nachgewiesen hat. In diesem Rahmen hat Lafu ebenfalls 2 geschulte und geprüfte Probenehmerinnen, die Bestandteil des Systems der Gütesicherung der BGK sind.

Um die Qualität gängiger Fertigkomposte festzustellen wurde die Lafu GmbH vom WDR beauftragt, Untersuchungen mit fünf Kompostprodukten durchzuführen. Geprüft wurden u.a. die Nährstoff- und Wassergehalte, die Deklaration sowie Kontaminationen durch Schwermetalle und Fremdstoffe (Glas, Steine, Plastik).

Einen Link zur Mediathek des Senders: https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTA0Y2Y2YWZjLWZiODgtNDZhMi05NTk0LTEwOGMzMzdmMTQzYg/

Einige allgemeine Anmerkungen zu Kompostinhaltsstoffen

Ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Kompost ist ein geringer Anteil an Fremdkörpern, wie z.B. Glas, Metall und Plastik. Auch wenn Produkte die geforderten Grenzwerte für Fremdstoffe einhalten, finden sich in Komposten Reste von Verunreinigungen.

Insbesondere die steigende Menge an Plastikmüll im Kompost ist Grund für Besorgnis. Der Abbau von Kunststoffen kann viele hundert Jahre dauern und führt dazu, dass Plastik in immer kleinere Partikel zerfällt.

Das bedeutet, dass aus einem Kunststoffwürfel mit 1 cm Seitenlänge 1000 Partikel von 1 mm Größe werden später 1 Million Partikel mit 100µm Größe und so weiter und so fort…

Dieses Mikro- und Nanoplastik ist für das menschliche Auge unsichtbar, umgibt uns aber inzwischen in Luft, Boden und Gewässern. Doch damit nicht genug; beim Abbau von Plastik werden gefährliche Chemikalien wie Weichmacher, Stabilisatoren und Schwermetalle freigesetzt, welche toxisch, hormonaktiv und krebserregend sind.

Zusätzlich heften sich an der Oberfläche der kleinen Plastikpartikel weitere toxische Stoffe an. Diese werden von Tieren aufgenommen und landen so am Ende der Nahrungskette wieder beim Menschen. Neuere Untersuchungen des Pflanzenökologen Matthias Rillig deuten darauf hin, dass Nanoplastik auch über die Wurzeln von Pflanzen aufgenommen werden könnte, so dass es sich dann auch in pflanzlichen Nahrungsmitteln anreichert.

Laut einer Studie des Fraunhofer Instituts[1] entstehen jährlich 330.000 Tonnen dieser extrem feinen Plastikpartikel, das sind rund 4 Kilo pro Kopf allein in Deutschland. Der weitaus größte Anteil landet in den Böden[2].

Während Mikroplastik im Wasser größtenteils durch Filter entfernt werden kann, ist dies im Boden unmöglich[3]. Gliederfüßer und Regenwürmer verteilen im Boden das Plastik weiter, mit Folgen für deren Gesundheit: sie wachsen weniger und sterben auch mitunter[4]. Die Folgen einer Kontamination mit Mikroplastik sind Veränderungen in den Bodenfunktionen[5]. Das Leibnitz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei konnte an Fischen zeigen, wie Mikroplastik ins Blut, die Organe und selbst das Gehirn gelangt. Das Passieren der Blut-Hirn-Schranke der Fische wirkte im Versuch verhaltensändernd[6].

In dem Artikel „Wenn der Kunststoff am Dampfen ist“ in der TAZ vom 24.10.2018 berichten österreichische Wissenschaftler erstmals von Mikroplastik in menschlichen Ausscheidungen.

Das im Kompost durch die Lafu GmbH regelmäßig nachgewiesene Plastik[7] ist also ein deutlicher Hinweis darauf, dass handelsüblicher Fertigkompost aller gängigen Marken mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls Mikro- und Nanoplastik enthält, da diese durch den Abbau größerer Plastikteile entstehen.

Kompost wird aus Grünschnitt und Bioabfällen hergestellt, sind diese bereits durch Verunreinigungen belastet und es ist ab einer bestimmten Größe nicht mehr möglich, diese heraus zu sieben.

Es ist bereits jetzt schon unmöglich, das Plastik aus der Umwelt wie auch aus erworbenen Produkten wie Kompost zu entfernen. Daher muss es Aufgabe von Politik und Gesellschaft sein, den weiteren Eintrag von Plastik in die Umwelt massiv einzudämmen. Hierzu gehören auch Aufklärung/Bildung (Schule, Universität, Medien) und effektive Kontrollsysteme. Insbesondere die Hersteller von Kunststoffprodukten müssen Verantwortung übernehmen und zu einer weitreichenden Produkthaftung verpflichtet werden.

Es ist dringend notwendig, dass eine Beweislastumkehr durchgesetzt wird:

Erst wenn sicher bewiesen ist, dass ein Produkt (z.B. eine Chemikalie), ein Produktionsverfahren (auch unter Einbeziehung des Produktlebenszyklus), usw. nicht gesundheits- und umweltgefährdend ist, darf es angewendet werden.

Gewisse Gehalte an Schwermetallen (Blei, Kupfer, Cadmium, Thallium, Chrom usw.) werden grundsätzlich in Fertigkomposten festgestellt. Dabei können Grenzwerte (z.B. Bioland-Zertifizierung) über- oder unterschritten werden.

Generell muss bei Belastungen für Umwelt und Gesundheit von Kombinationswirkungen ausgegangen werden. Sie alle wirken alleine und auch in Kombination auf den menschlichen Körper ein und beeinträchtigen das Wohlbefinden.

Zur Einschätzung von Kombinationswirkungen liegen Studien und Forschungsergebnisse vor, mit denen bewiesen werden konnte, dass sich die Auswirkungen einzelner Stoffe nicht nur addieren sondern auch potenzieren können.

Dieser Effekt ist insbesondere bei der Kontamination mit Schwermetallen und organischen Verbindungen von Bedeutung. Diese Schwermetall-Organo-Verbindungen können z.B. 100- oder 1000-fach toxischer sein, als die jeweiligen Substanzen allein.

In Zusammenhang mit Gesundheitsbeeinträchtigungen ist besonders die chronische Belastung (auch von geringen Konzentrationen) zu diskutieren.

Bei der Erstellung von Richt- bzw. Grenzwerten werden die Aspekte der Kombinationswirkungen so gut wie gar nicht berücksichtigt. Generell sollten Richt- und Grenzwerte aus Sicht der Vorsorge und Prävention um ein Vielfaches geringer sein, als zurzeit vorgegeben.

Grundsätzlich besteht ein Minimierungsgebot für Schadstoffe, bei dem aus präventiv-medizinischer Sicht möglichst jegliche Kontaminationen vermieden oder zumindest erheblich minimiert werden müssen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die menschliche Gesundheit und die Umwelt nicht gefährdet wird.

 

  • [1] Bertling, J.; Bertling, R.; Hamann, L. (2018): Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik. Ursachen, Mengen, Umweltschicksale, Wirkungen, Lösungsansätze, Empfehlungen. Kurzfassung der Konsortialstudie, Fraunhofer-institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT (Hhrsg.).
  • [2] de Souza Machado et al. (2018): Microplastics as an emerging threat to terrestrial ecosystems.“ Global change biology 24.4 1405-1416
  • [3] https://www.fu-berlin.de/presse/publikationen/tsp/2017/tsp-februar-2017/mikroplastik-im-acker/index.html
  • [4] Rillig, M. C. (2012): Microplastic in Terrestrial Ecosystems and the Soil? Environmental Science & Technology46, 6453-6454
  • [5] De Souza Machado et al. (2018): Impacts of Microplastics on the Soil Biophysical Environment Environmental Science & Technology 52 (17), 9656-9665
  • [6] Mattson, K. et al. (2017): Brain damage and behavioural disorders in fish induced by plastic nanoparticles delivered through the food chain. Nature Scientific Reports 7, Article 11452.
  • [7] Für eine genauere Bestandsaufnahme fehlen bislang standardisierte Methoden zur Erfassung von Mikroplastik in Böden