Fr. 01.07.2022, 18:00 – 20:15 Uhr, 9 €

Thematisiert werden: Ursachen, Interessen und Vermeidung insbesondere durch Beweislastumkehr

Obwohl weltweit ein Viertel aller Todesfälle auf Umweltbelastungen zurückzuführen sind, sind Umwelterkrankungen vergleichsweise schlecht untersucht.
Die drei Hauptgründe liegen darin, dass Umwelterkrankungen in erster Linie ärmere Menschen, Minderheiten und Kinder betreffen. Weiterhin sind Umwelterkrankungen teilweise nur mit aufwendiger Diagnostik auf bestimmte Ursachen zurückzuführen und nicht zuletzt stehen die Interessen internationaler Unternehmen, die durch ihre Geschäftspraktiken und Produkte Umwelterkrankungen bedingen, im Weg.
Dabei sind je nach Krankheit mehr als die Hälfte der Fälle vermeidbar, beispielsweise durch Auflagen in Bezug auf Luft- und Wasserverschmutzung oder konsequenter Regulierung von Chemikalien. Doch die Regulierung vieler Stoffe hinkt dem Inverkehrbringen hinterher, so dass Umwelterkrankungen tendenziell weiter zunehmen werden.
Auslösende Umweltfaktoren sind vielfältig und reichen von Gefahrstoffbelastungen z.B. an Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft, in der Industrie usw., über Rückstände in Lebensmitteln und Wasser, in Innenräumen (Wohngifte, Schimmel, Asbest) und über diverse weitere Schadstoffkontaminationen bis hin zu Elektrosmog, Radioaktivität und Lärm.
Menschen, die von Umweltkrankheiten betroffen sind, leiden häufig unter unspezifischen, teilweise neurologischen Symptomen, so dass die Diagnose von Umwelterkrankungen oft nur durch spezialisierte Mediziner:innen möglich ist. In vielen Fällen reagieren Patientinnen und Patienten mit Fortschreiten der Erkrankung an immer stärkeren Symptomen und sind auf eine wachsende Zahl von Stoffen sensibilisiert. Doch selbst mit Diagnose werden Menschen, die von Umwelterkrankungen betroffen sind, oft nicht ernst genommen und ihr Leiden wird psychologisiert.
Für Betroffene ist es oft nur schwer möglich, die Ursachen ihrer Erkrankung nachzuweisen, insbesondere, weil es sich in vielen Fällen auch um eine Mischexposition mit einer Vielzahl an Belastungen handelt, die zu wenig untersuchten Kombinationswirkungen führen.
Auch wenn sog. „Grenzwerte“ eingehalten werden, wird der Verbraucher irregeführt, da statt des Schadstoffcocktails nur die jeweiligen Einzelstoffe beurteilt werden und somit eine angebliche Sicherheit vorgetäuscht wird.
Diese Grenzwerte sind dazu geeignet, das Krankmachen mit Giftkonzentrationen unterhalb der Grenzwerte zu legalisieren. Insbesondere berücksichtigen diese nicht die Kombinationswirkungen von mehreren schädlichen Chemikalien, die gleichzeitig z.B. in einem Lebensmittel enthalten sind und hunderten von weiteren Schadstoffen denen wir in unserem Lebensumfeld ausgesetzt sind.
Im Vortrag stellen die Referent:innen von der Lafu GmbH Ursachen und interessante Fälle von Umwelterkrankungen vor und Diskutieren die körperlichen Mechanismen hinter den oft diffusen Symptomen.
Außerdem wird auf den Umgang von Behörden mit Innenraumgiften beispielsweise an Schulen eingegangen und dargelegt, warum bei der Zulassung von Produkten und Chemikalien eine Beweislastumkehr angewendet werden sollte, in der z.B. die Hersteller nachweisen, dass ihr Produkt keine Gesundheitsgefährdung darstellt.

ReferentInnen von der Lafu: Ann-Kathrin Seiz MSc., Dipl.-Ing. Gary Zörner