Film-Empfehlung: Roundup, der Prozess & Gespräch mit der Filmautorin Monique Robin | Lafu GmbH

„Roundup, der Prozess“ & Gespräch mit der Filmautorin Monique Robin

Der hochbrisante und aktuelle Film lief am 17.10.2017 auf ARTE. In der ARTE-Mediathek ist er noch ca. bis zum 16.12.17 zu sehen. Wie lange der unten angegebene Link noch aktiv ist, wissen wir nicht, kann aber nicht schaden, wenn man den Film herunterladen kann.

Hier nun:

  1. der aktuelle Link zum Film: https://www.arte.tv/de/videos/069081-000-A/roundup-der-prozess/
  2. der Link zu dem anschließenden Gespräch mit der Filmautorin Monique Robin: https://www.arte.tv/de/videos/077422-001-A/gespraech-mit-marie-monique-robin/

1. Roundup, der Prozess

Roundup® ist unter diesem und anderen Markennamen das weltweit am meisten gespritzte Pflanzenschutzmittel. Vierzig Jahre nach dessen Markteinführung wurde sein Wirkstoff Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft. Die Dokumentation geht dem Skandal auf den Grund und belegt, warum ein sofortiges Verbot dringend notwendig gewesen wäre und dies nun so zeitnah wie möglich durchgesetzt werden muss.

Allein 2014 wurden 825.000 Tonnen des starken Unkrautvernichters Glyphosat auf Feldern und in Gärten ausgebracht. Die Besorgnis hinsichtlich der Gefahren, die von dem weltweit meistgespritzten Pflanzenschutzmittel ausgehen, ist groß.

Zumal die Internationale Agentur für Krebsforschung Glyphosat im März 2015 als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen einstufte und damit zu einem ganz anderen Schluss kam als die großen amerikanischen und europäischen Gesundheitsbehörden, die Monsantos Roundup® und dessen Wirkstoff Glyphosat als ungefährlich bezeichneten.

Anknüpfend an ihren investigativen Dokumentarfilm „Monsanto, mit Gift und Genen“ aus dem Jahr 2008, zeigt die Autorin Marie-Monique Robin in ihrem neuen Film, dass Roundup® noch gefährlicher ist als bisher befürchtet:

Der „Allestöter“ – so der Beiname des Produkts im Spanischen – macht krank und vergiftet Böden, Pflanzen, Tiere und Menschen, denn er ist überall anzutreffen: im Wasser, in der Luft, im Regen, in der Erde und in Lebensmitteln.

Außerdem ist Glyphosat nicht nur krebserregend, sondern auch eine hormonaktive Substanz, ein starkes Antibiotikum und ein Chelatbildner, der Spurenelemente bindet.

Der Film enthüllt die katastrophalen Folgen dieser Eigenschaften und zeigt aufwühlende Bilder von Opfern in den USA, Argentinien, Frankreich und Sri Lanka; auch zahlreiche Wissenschaftler kommen zu Wort.

Roter Faden des Dokumentarfilms ist der symbolische Prozess vom Oktober 2016 in Den Haag:

Beim internationalen Monsanto-Tribunal klagte eine Bürgerinitiative den Saatgut-Multi in dessen Abwesenheit auf Ökozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an.

Ergebnis des Prozesses ist ein hieb- und stichfestes Rechtsgutachten, das möglicherweise dazu führen wird, dass „Ökozid“ als Tatbestand im internationalen Recht Anerkennung findet.

2. Gespräch mit der Filmautorin Monique Robin

Glyphosat, Kolumne, Monsanto, Prozess

MONSANTO: GIFT FÜR ALLE(S)

Kolumne: Glyphosat wirkt vielfältig zerstörerisch, warnt Filmautorin Marie-Monique Robin.

Durch meinen vorherigen Dokumentarfilm „Monsanto, mit Gift und Genen“ aus dem Jahr 2008 wusste ich schon viel über Glyphosat, den Wirkstoff des Herbizids „Roundup“. Aber dass der Schaden, den diese Chemikalie anrichtet, so groß ist, war mir nicht bewusst. In meinen Augen ist sie eines der giftigsten Produkte, das die Menschheit je erfunden hat.

Nur wenige Menschen wissen, dass die Substanz bereits 1964 patentiert und zunächst zur Kesselreinigung benutzt wurde. Im Jahr 1974 ließ Monsanto sie als  Unkrautvernichtungsmittel patentieren. Allerdings wirkt sie derart, dass sie, wenn sie in den Erdboden gelangt, dort die Mineralien bindet und den Pflanzen  wichtige Nährstoffe entzieht. In Sri Lanka löste diese chelatbildende Verbindung in einem Reisanbaugebiet eine Epidemie tödlicher Nierenkrankheiten aus. Von der WHO wurde Glyphosat 2015 als „wahrscheinlich krebserregend für Menschen“ eingestuft.

Seitdem haben in den USA 3.000 am Non-Hodgkin-Lymphom erkrankte Landwirte eine Sammelklage gegen Monsanto eingeleitet. Glyphosat kann das Hormonsystem beeinflussen und zu Fehlbildungen im Mutterleib führen. Im Jahr 2010 wurde die Substanz von Monsanto als Antibiotikum patentiert. Allerdings kann sie ebenso die guten Bakterien der Darmflora wie die der Böden zerstören.

Es gibt sehr wenige Chemikalien, die so vielfältig zerstörerisch wirken. Das ist sehr beunruhigend, da Glyphosat das am häufigsten eingesetzte Herbizid weltweit ist: 800.000 Tonnen wurden im Jahr 2016 versprüht, meist über gentechnisch veränderte Sojabohnen, mit denen wiederum europäische Tiere gefüttert werden. So wurden Glyphosatrückstände überall in der Nahrungskette gefunden, etwa in Biersorten und im menschlichen Urin!

Natürlich war der Prozess in Den Haag ein symbolischer, bei dem kein rechtskräftiges Urteil gesprochen werden konnte – Monsanto hatte keinen Verteidiger gestellt.

Dennoch: Am Ende plädiert das Tribunal dafür, den „Ökozid“, das Verbrechen gegen die Ökosysteme, zu einem Tatbestand des internationalen Gerichsthofs zu erklären. Die Zulassung von Glyphosat in der EU läuft Ende dieses Jahres aus. Würde die EU-Kommission eine Neuzulasssung gewähren, wäre das  unverantwortlich.

(Obiges alles aus der ARTE Homepage)

Eigene Anmerkungen:

Auch ein Aspekt, den ich seit vielen Jahren thematisiere sind die Kombinationswirkungen und die hormonell wirksamen Giftchemikalien (Endokrine Disruptoren), die nun in diesem Film auch bzgl. Glyphosat enthüllt werden!

  • Klassische Vorstellung der Toxikologie:
    • Je höher die Dosis, desto stärker die Wirkung
  • Dies ist wissenschaftlich schon lange nicht mehr haltbar (etwa „die Erde ist eine Scheibe“):
    • Hormonartig wirkende Chemikalien:
      je kleiner die Dosis, um so größer die Wirkung! Eine Überkompensation des Organismus kann eine Gegenreaktion hervorrufen, die die ursprüngliche Reaktion überdeckt, die bei noch geringerer Dosis unterbleibt und dann die dramatischen gesundheitlichen Schäden auslösen. (Niedrigdosiseffekt)
    • Kombinationswirkungen werden nicht berücksichtigt (kommen 2 oder mehrere chemische Stoffe zusammen, so kann sich die schädigende Wirkung auf die Gesundheit erheblich potenzieren).
  • Auswirkungen des Niedrigdosiseffektes:
    • Geringe Konzentration eines Stoffes insbesondere
    • während der Schwangerschaft,
    • in der frühen Kindheit
    • in den sensiblen Phasen der Entwicklung des Fortpflanzungssystems:
    • gravierende Auswirkungen, möglicherweise mit Missbildungen und bleibenden Schäden von Organfunktionen.
  • Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet hormonell wirksame Chemikalien als „globale Bedrohung“
  • Hormonell wirkende Schadstoffe bewirken beim Menschen unter anderem Unfruchtbarkeit, Lern- und Gedächtnisschwierigkeiten, Fettleibigkeit, Altersdiabetes, Herzkreislauferkrankungen, verfrühte Pubertät und verschiedene hormonbedingte Krebsarten wie Brust-, Hoden- und Prostatakrebs.
  • Hierbei handelt sich um Erkrankungen bzw. Symptome, die immer häufiger zu verzeichnen sind.

„Nicht: es muss etwas geschehen, sondern: ich muss etwas tun.“

In diesem Sinn begrüße ich alle Aktivitäten, die über die dramatischen Auswirkungen von Glyphosat aufklären und die Umsetzung eines Verbotes unterstützen.

Glyphosat-freie Grüße
Dipl.-Ing. Gary Zörner